Erfahrungsbericht

Christine Lütschen-Böhm blickt auf ihre Amtszeit als Kirchenvorsteherin 2012 – 2018 zurück:

„Hast Du nicht Lust, Dich für den Kirchenvorstand zu bewerben?“ Mit dieser Frage fing alles an. Ich gebe zu, ich fühlte mich ein wenig geschmeichelt, dass mir diese Aufgabe zugetraut wurde. Hatte ich doch bislang den KV für einen elitären Kreis des „inner circle“ der Gemeindemitglieder gehalten.

Doch da war sie nun die Frage: Soll ich tatsächlich oder lieber doch nicht? Sechs Jahre sind eine lange Zeit. Was erwartet mich eigentlich? Wer ist noch mit dabei? Was sind das für Leute? Denn so integriert war ich bisher nicht in der Kirchengemeinde, dass ich auf alte Bekannte treffen würde.

Nach einigem Hin und Her und Rücksprache mit der Familie habe ich mich dann aber doch in das Abenteuer gestürzt und mich zur Wahl aufstellen lassen. Die Neugier auf etwas für mich total Neues hat letzten Endes gesiegt.

Das erste Treffen vom neugewählten KV war für mich sehr aufregend. Ehrlich gesagt – verstanden habe ich anfangs nicht viel. Die Themen waren absolutes Neuland für mich. Gott sei Dank erging es nicht nur mir so – auch andere neue Mitglieder des KV hatten Fragezeichen im Gesicht.

Als erste große Aktion stand dann im Januar ein KV-Wochenende an: Wir wollten uns alle besser kennenlernen und den „Neuen“ sollte die Arbeit des KV nähergebracht werden. Wir haben uns an diesem Wochenende intensiv mit unserer Gemeinde und ihren Besonderheiten auseinandergesetzt. Den Neulingen wurde die Arbeit des KV klarer und auch, welche Verantwortung wir mit unserem Ehrenamt übernommen haben und was in naher Zukunft alles auf uns zukommt.

Dieses Wochenende war sehr intensiv und wir haben es in den vergangenen sechs Jahren zu einer festen Einrichtung werden lassen. Einmal im Jahr fahren wir gemeinsam weg, machen uns Gedanken zu aktuellen Themen und zu unserer Gemeinde, für die in den monatlichen Sitzungen die Zeit oft nicht ausreicht.

Die Arbeit des KV ist vielfältig – ich konnte mir anfangs nicht recht vorstellen, was mich alles erwartet. Durch diese sechs Jahre Mitarbeit im KV und auch im Kita-Ausschuss, der über die Belange der Kindergärten und des Hortes berät, habe ich einen tiefen Einblick in die Struktur unserer Kirchengemeinde bekommen.

Ein Thema, das uns lange und immer wieder beschäftigt hat, war die Erneuerung der Kirchenheizung, diverse Brandschutzmaßnahmen, die uns behördlicherseits auferlegt wurden und die Renovierung des Jugendcafés. Die Aufgaben in einer Kirchengemeinde sind vielfältig und vieles davon muss im KV besprochen und entschieden werden. Nicht immer geht es einstimmig zu; wir haben viel diskutiert – aber doch am Ende immer einen Konsens gefunden, in dem sich jedes Mitglied wiederfinden konnte.

Die Aufgaben unserer Pfarrer/In liegen nicht nur im seelsorgerischen Bereich. Es steckt auch enorm viel administrative Verwaltung in der Leitung einer Gemeinde. Angefangen von Haushaltsplänen, die vom KV zu genehmigen und zu verabschieden sind, über den Beschluss von Ausgaben für die Renovierung/Erhaltung der Gebäude, Neuanschaffungen für die Kitas sowie Personalentscheidungen.

Die letzten sechs Jahre im KV sind vergangen wie im Flug. Ich habe viel Neues gelernt, sehr nette Menschen kennen gelernt und durfte meine Fähigkeiten einbringen. Wir haben miteinander intensiv diskutiert, gefeiert, gelacht und geweint – jetzt stehen Neuwahlen zum Kirchenvorstand an unter dem Motto „Ich glaub, ich wähl“.

Für mich steht fest: Ich glaub, ich kandidier (wieder) und freue mich auf hoffentlich weitere sechs spannende Jahre, in denen ich dann vielleicht ein klein wenig meiner (noch kurzen) Erfahrung aus der letzten Legislaturperiode an die kommenden „Neuen“ weitergeben kann.